Waffen an Bord?

08. November 2002 - In einem Interview erläutert der Düsseldorfer Autor und Weltumsegler Klaus Hympendahl sein Buch über Piraterie gegen Freizeitskipper. Auch zwei Düsseldorfer wurden Banden-Opfer. Seglermagazin.de sprach mit dem Autor über »Yachtpiraterie – die neue Gefahr«, auch zum Thema Waffen an Bord. Der Segler Hympendahl hat mehr als 100 Überfälle auf Weltenbummler unter Segeln registriert und in seinem Buch beschrieben und analysiert.

Klaus Hympendahl mit seinem neuen Buch »Yachtpiraterie – die neue Gefahr« (Foto © Jo Achim Geschke)

Segler, dass muss Laien immer wieder gesagt werden, sind nicht nur die Millionäre, wie noch immer viele fälschlich glauben: Mehr als 800 deutsche Yachten ab elf Meter Länge sind zurzeit im Mittelmeer oder anderen Revieren der Welt unterwegs, darunter rund 350 Deutsche Boote auf mehrjähriger Weltreise, und fast jeder zweite Deutsche träumt vom Urlaub unter weißen Segeln.

 

Doch der ist in einigen Küstenregionen seit einigen Jahren lebensbedrohlich geworden, weiß Hympendahl. Der Autor und Blauwasser-Segler, gerade erst von einem Törn durch die griechisch-türkische Inselwelt zurück, war im Frühjahr 2001 auf einer Segeltour durch die Karibik, ankerte vor der Insel Trinidad, nahe der Küste Venezuelas. »Nach Deutschland zurückgekehrt, erfuhr ich: Nur drei Seemeilen (5,5 Kilometer) von meinem Ankerplatz entfernt wurde damals eine Yacht von Piraten überfallen.« Da begann er, im Internet zu recherchieren, fand neben der rasant wachsenden Zahl von in Asien, oft von Mafia-ähnlichen banden gekaperten Frachtern immer mehr Piraterie gegen Freizeitskipper.

 

»Als ich von 1986 bis 1991 um die Welt gesegelt bin, habe ich nichts von Piraten gehört, heute aber«, so der Autor, »gehe ich von 200 Überfällen in den vergangenen fünf Jahren aus.« Das sind zwar nur wenige Prozent und es sollte niemanden davon abhalten, auf Weltreise zu gehen. Aber es ist ein neues Phänomen und Hympendahl fand, es sollte – erstmals in Deutschland - auch beschrieben werden.

 

Düsseldorfer überfallen

Es war stockdunkle Nacht, als der Düsseldorfer Uwe Reinders am Strand der Kapverdischen Inseln stand – ohne Geld, vor allem aber: ohne sein Schiff. Die vor Anker liegende Yacht hatten Piraten aus der Bucht gestohlen, abgeschleppt. Uwe Reinders und Frau Monika machten sich auf die Suche, bis hin zu einem Flug an die afrikanischen Küste. Ihr wahrscheinlich von Fischern gestohlenes Boot wurde nach Monaten schwer beschädigt vor Afrika treibend von einem Frachter aufgefischt und schwer beschädigt. Reinders und seine Frau Monika erhielten erst nach mehr als zwei Jahren und etlichen Prozessen ihr Geld von der Versicherung zurück. Ich hatte die falsche Versicherung, sagt Reinders heute lakonisch.

 

Der pensionierte Metzger Rudolf Nuss aus Düsseldorf kann zwei Schusslöcher in der Windschutzscheibe seiner Yacht »Jan Wellem III« vorweisen: Folgen eines lebensgefährlichen Piratenüberfalls in der Karibik, den Nuss mit Schüssen aus seiner Pistole gerade noch glücklich beenden konnte. Der Metzger Rudolf Nuss und seine Frau Isolde lagen mit ihrer zwölf Meter langen »Jan Wellem III« im März 2001 vor der Insel Heradura nahe Venezuela. Zwei Jahre hatten die beiden Ruheständler die Karibik genossen. Nachts wachen sie auf – mehrere Menschen trampeln auf Deck herum. Die Piraten schießen etwa zehn Mal. Nuss, geübter Sportschütze, schießt 14 Mal zurück – Warnschüsse, in die Luft. Aber sie helfen. Vielleicht hat er auch einen der Piraten getroffen. Hympendahl beschreibt, wie sie erst nach ominösen, langen Untersuchungen durch die venezolanische Küstenwache, die sich verdächtig benimmt, und der Hilfe der deutschen Diplomaten ihre Papiere zurückbekommen.

 

Nützen Waffen an Bord?

Hympendahl sieht die Tücken und die Gefahren: »Wer eine Waffe an Bord hat, muss in Gefahr auch bereits sein, damit auf Menschen zu schießen. Darüber muss man sich wirklich im Klaren sein.« Zudem ist es extrem wichtig, mit einer Waffe umgehen zu können. Allerdings muss das Gewehr oder der Revolver auch bei Überfälle greifbar sein. Ist die Waffe vom Zoll beim Einklarieren im Schrank versiegelt worden, wird das schwierig. Vor allem bei der Rückkehr in Klarierungshäfen, wenn der Zoll den Siegelbruch bemerkt. Und nicht klarierte Waffen können zu Gefängnis und Verlust des Schiffes führen, warnt Hympendahl.

 

Etliche Tipps, wie Piraten abgeschreckt werden können, beschreibt er in seinem neuen Buch. Sein Buch wird gerade ins Amerikanische, Französische und Spanische übersetzt.

 

Hympendahl pflegt in Düsseldorf-Oberkassel jetzt seine Internetseite – wie sein gedrucktes Werk die erste Publikation über Yachtpiraterie: www.yachtpiracy.org.

 

Klaus Hympendahl: Yacht-Piraterie. Die neue Gefahr, Bielefeld: Delius Klasing, 1. Auflage 2002, 280 Seiten mit 50 Fotos, ISBN 3-7688-1389-4, 19,90 €.

 

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