Travemünder Woche: 1 Million Zuschauer und meisterhafte Segler

31. Juli 2006 - Travemünde. Mit dem Finale der 470er-Juniorenweltmeisterschaft und sechs weiteren Gesamtsiegern ging am Sonntagnachmittag (30. Juli) nach zehn Tagen hochklassigem Segelsport die 117. Travemünder Woche (TW) zu Ende. Den WM-Titel gewannen die Israelis Levine Eyal und Amir Yam in einem fulminanten Endspurt punktgleich vor den Kroaten Fantela Sime und Igor Marenic. Beste Deutsche wurden Christopher Lorenz und Friedrich Gebert aus Berlin als Fünfte. Insgesamt feierten 2.600 Aktive aus 37 Nationen – so international war die TW noch nie – bei hochsommerlichen Temperaturen auch an Land ein maritimes Festival der Extraklasse.

Spannende Positionskämpfe gab es beim finalen Medal Race der 470er-Juniorenweltmeisterschaft. (Foto: Nils Bergmann/Yachting-Photos.com)

Auf den zehn Regattabahnen der Travemünder Woche wurden rund 350 Wettfahrten
in 32 Bootsklassen absolviert. Höhepunkt der 14 Titelkämpfe war die
Europameisterschaft der olympischen Tornado-Klasse mit einem Sieg der
überragenden Österreicher Roman Hagara und Hans Peter Steinacher. Die
deutschen Mitfavoriten Roland Gäbler und Gunnar Struckmann (Tinglev/Kiel)
als Zehnte sowie Johannes Polgar und Florian Spalteholz
(Dänisch-Nienhof/Kiel) als 13. blieben hinter den eigenen Erwartungen
zurück.


Die Gesamtbilanz der Großveranstaltung fiel überhaus positiv aus. „Wir haben
von den Teilnehmern sehr viel Lob bekommen“, so Karin Böge und Claus-Dieter
Stolze, „und zwar für die fairen Wettfahrten und die enge Verknüpfung des
Segelsports mit dem aufgewerteten Landprogramm.“ Das TW-Führungsduo will den
guten Ruf der zweitgrößten Segelregatta der Welt als Meisterschaftsrevier
mit dem besonderen Flair in Zukunft weiter ausbauen.


„Es war die hochklassigste Travemünde Woche seitdem ich dabei bin“,
resümierte auch der oberste Wettfahrtleiter Walter Mielke, „aber auch die
schwierigsten Windbedingungen seit 1980.“ Nicht einen Tag habe ein „normaler
Wind“ (Gradient) geweht. Rund 350 Wettfahrten wurden ausschließlich mit
thermischer Seebrise gestartet, die nachmittags aufgrund der Hitze über Land
an der Küste der Lübecker Bucht einsetzte. Der Rekordsommer mit dem wärmsten
Juli in Lübeck und Travemünde seit Beginn der Wetteraufzeichnungen Anfang
des vorigen Jahrhunderts hatte somit immerhin den Vorteil, dass letztlich
doch nur knapp zehn Prozent der geplanten Wettfahrten wegen Flaute
ausfielen.


Auch das mit Spannung erwartete „Medal Race“ der zehn besten 470er-Junioren
zwischen Nordermole und Strand wurde ein Leichtwindrennen, nachdem sich
pünktlich um 14 Uhr eine schwache Seebrise aufgebaut hatte. Die vor dem
Rennen führenden Kroaten Sime/Marenic erwischten einen schlechten Start und
fuhren auf der Startkreuz auch noch auf die benachteiligte Bahnseite. Die
Israelis Eyal/Yam packten die Gelegenheit beim Schopf und lagen gleich auf
Rang zwei. Am Ende war es ein Herzschlag-Finale, in dem die Kroaten als
Vierte über die Ziellinie gingen. Den Ausschlag für den WM-Titel gab bei
Punktgleichheit das bessere Abschneiden im Medal Race zugunsten der
Israelis.


„Wir haben bis zum Schluss an unsere Chance geglaubt und sind überglücklich,
dass es noch mit ‚Gold’ geklappt hat“, so Levine Eyal aus Haifa. Wegen des
militärischen Konflikts in seiner Heimat habe er große Mühe gehabt, den Kopf
frei zu bekommen für die WM. Eyal: „Ich habe oft mit meinen Eltern
telefoniert und war beruhigt, wenn es ihnen gut ging.“
Die Berliner Lorenz/Gebert hatten vor dem Finale noch eine theoretische
Chance auf „Bronze“. Die Junioren-EM-Dritten aus dem Vorjahr legten einen
Super-Start hin und hätten ihren Medaillentraum realisieren können, als die
vor dem Finale drittplazierten Briten Patience/Grube plötzlich auf dem
zehnten und letzten Rang lagen. Das Podium war zum Greifen nahe, doch dann
leisteten die Deutschen sich einen taktischen Fehler. Am Ende blieb es beim
fünften Rang in der Gesamtwertung. „Wir sind natürlich enttäuscht, denn wir
hatten uns mehr vorgenommen“, so die 470er-Segler unisono.


Am letzten Wettfahrttag wurden noch weitere Titel in Travemünde vergeben.
Internationaler deutscher Meister der A-Cats ist Bob Baier aus Pfronten vor
dem Franzosen Jean Louis le Coqu. Der Hamburger Andreas John gewann mit
Susanne Hahn aus Lübeck die deutsche Bestenermittlung der Formula
18-Katamarane.


Am Sonntagabend feierten die Seglerinnen und Segler noch einmal mit den
zahlreichen Gäste bis Mitternacht das maritime Festival der Superlative. Das
Abschlussfeuerwerk mit einer einzigartigen Lasershow war der absolute
Höhepunkt der „dritten Halbzeit“. Insgesamt besuchten mehr als eine Million
Menschen die Travemünder Woche. Und die 118. Ausgabe wird vom 20. bis 29.
Juli 2007 stattfinden.



Mit einem Paukenschlag ging am Sonntagabend (30. Juli) die 117.
Travemünder Woche zu Ende. Das schönste Feuerwerk und Lichtspektakel seit
Bestehen der zweitgrößten Segelregatta der Welt faszinierte die Besucher aus
nah und fern. Mehr als eine Million Gäste kamen an zehn tollen Tagen auf die
Festivalmeile an der Travemündung. In diesem Jahr vereinten sich Segelsport
und Landprogramm wie nie zuvor zu einem perfekten Mix. Damit ging das
Konzept der Organisatoren vollends auf, noch mehr Wert auf Qualität zu
setzen. Hochwertiger war sowohl der Segelsport mit vielen hochklassigen
Meisterschaften, als auch das aufgewertete Eventangebot.

Das Grande Finale, eine Show aus Licht und Feuer, mit der sich die
Travemünder Woche am Sonntagabend von ihren Gästen aus aller Welt
verabschiedete, war der krönende Abschluss zum Ende einer überaus
erfolgreichen Veranstaltung. Viel Sonne, beste Stimmung und jede Menge
Unterhaltung, dazu hochklassiger Segelsport und eine Vielzahl an spannenden
Darbietungen auf zahlreichen Bühnen boten eine gelungene Mischung aus Sport
und Spaß. Und das perfekte Sommerwetter trug seinen Teil dazu bei, die 117.
Travemünder Woche zu einer ganz besonders unvergesslichen Zeit zu machen.


Endergebnisse von Sonntag, 30. Juli 2006
10. Wettfahrttag der 117. Travemünder Woche



Olympische Klassen

470er-Juniorenweltmeisterschaft (Endstand nach neun Wettfahrten): 1.
Eyal/Yam (Israel) 17 Punkte; 2. Sime/Marenic (Kroatien) 17; 3.
Patience/Grube (Großbritannien) 32; 4. Vasilas/Mitakis (Griechenland) 37,5;
5. Lorenz/Gebert (Berlin) 38; 6. Basalkin/Ignatenko (Russland) 38,5.

Star 13. Distriktmeisterschaft (Endstand nach drei Wettfahrten): 1. Hamish
Pepper/Carl Williams (Neuseeland) 12; 2. Mateusz Kusznierewicz/Dominik Zycki
(Polen) 15; 3. Michael Koch/Carsten Witt (Henstedt-Ulzburg) 20; 4. Maurice
O'Connell/Edmund Peel(Irland) 24; 5. Robert Stanjek/Frithjof Kleen (Berlin)
24; 6. Matthias Miller/Manuel Voigt (Rostock) 26.


Internationale Klassen

Sportsboat Europa Cup / Norddeutsche Meisterschaft: (Endstand nach vier
Wettfahrten): 1. Jens Hartwig (Berlin) 6 Punkte; 2. Bernhard Kämpf (Zeuthen)
10; 3. Harald Müller (Bremen) 12; 4. Wolfgang Renz (Stuttgart) 21; 5.
Manfred Schreiber (Schleswig) 26; 6 Roland Michael (Aumühle) 27.

Internationale Deutsche Meisterschaft A-Cat: (Endstand nach vier
Wettfahrten): 1. Bob Baier (Pfronten) 12 Punkte; 2. Jean Louis le Coqu
(Frankreich) 14; 3. Huub Lambriex (Niederlande) 15; 4. Alberto Farnesi
(Italien) 24; 5. Guido Schulte (Wismar) 26; 6. Thomas Paasch (Dänemark) 29.

Deutsche Bestenermittlung der Formula 18: (Endstand nach vier Wettfahrten):
1. Andreas John/Susanne Hahn (Lübeck) 5 Punkte; 2. Jörg Gosche/ Jan
Woortmann (Bremen) 12; 3. Wolfgang Godderis/Denis Weidenbach (Gmund) 13; 4.
Dirk Schmidt/Melanie Bandow (Oststeinbek) 26; 5. Frank-Henric Blohm/Justus
Wolf (Hamburg) 27; 6. Arne Gosche/Maren Odefey (Flensburg) 30.

Folkeboot (Endstand nach drei Wettfahrten): 1. Ulf Kipcke (Neumünster) 7
Punkte; 2. Horst Dittrich (Eckernförde) 10; 3. Lutz Kollmetz (Lübeck) 16; 4.
Sönke Durst (Mönkeberg) 16; 5. Horst Klein (Oberhausen) 19; 6. Andreas Blank
(Berlin) 22.

Drachen (Endstand nach vier Wettfahrten): 1. Philip Dohse (Hamburg) 5
Punkte; 2. Tim Ladehof (Hamburg) 11; 3. Horst-Wilhelm Ströh (Hobbersdorf)
17; 4. Dr. Uwe Plath (Hamburg) 21; 5. Dr. Joachim von Alt-Stutterhiem
(Hamburg) 23; 6. Klaus Körting (Hamburg) 23.


www.travemuender-woche.net

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