Segeln für Anfänger II

02. November 2004 - Also, das mit dem Boot uns seinen teilen haben Sie ja jetzt gelernt. Nun kommt etwas mehr dran. Denn es gibt eine Menge verschiedener Boote und Yachten. Die haben zum Beispiel verschiedene Takelungen – das ist das stehende und laufende Gut oder einfach gesagt, all die verwirrenden Tauen und Leinen, sowie die Segel, die ein Segelboot ja antreiben. Außerdem lernen Sie hier noch, auf welchen Kursen sich – nein, nicht der Dax, die Segler sich bewegen. Das tun die ja auch schon mal gegen den Wind ... fast gegen den Wind.

Die verschiedenen Takelungsarten und Bootstypen (Grafik © www.meer-sehen.de / Jo Achim Geschke)

Ein Segel oder mehr – alle diese Schiffe sind Einrumpfboote, im Gegensatz zu den Mehrrümpfern wie Katamaranen (Zwei Rümpfe ) oder Trimaranen – ein Mittelrumpf und zwei mehr oder weniger schmale Schwimmer. Kats und Tris werden auch Multis genannt – mehr Rümpfe eben.

 

Alle haben, wie sie ja wissen, Vorsegel: Fock genannt, wenn’s mehr innen zum Mast hin liegt, bei mehreren Segeln vorne kommt dann der Klüver, den gibt es auch als Außen- und Innenklüver, und den Flieger und den Jager, ganz außen auf dem Bugspriet ... alles klar? Das können Sie schön an Großseglern sehen, die haben so eine Flotte von vier oder mehr Vorsegeln vorne.

 

Der Unterschied zwischen Ketch und Yawl ist einfach: steht der hintere Mast, der Besanmast, achtern vom Ruderblatt, ist es eine Yawl. Alles andere ist Ketch.

 

Kutter heißen bei uns die Yachten, die zwei Vorsegel haben – so geteiltes Leid ist doppelte Freud für Skipper und Crew, denn die einzelnen Vorsegel sind kleiner und lassen sich leichter handhaben, außerdem kann die Segelfläche besser an die Windstärken angepasst werden.

Schoner oder Schooner gibt es leider kaum noch, dabei sind es mit die schönsten Schiffe ... na ja, auch nicht ganz billig, und erst ab einer gewissen Größe rentabel. Weltumsegler Peter Kammler hatte einen sehr schönen Schooner.

 

Die Kurse zum Wind

 

Segelboote kommen gegen den Wind nur im Zickzack voran – immer "am Wind", also so schräg wie nützlich zur Windrichtung. Da geht von 50 Grad zum Wind bis unter 40 Grad am Wind bei Rennern. Das nennt man "hoch am Wind" – je kleiner der Winkel zur Windrichtung von vorn, desto "höher am Wind". Kommt der Steuermann so eng an die Windrichtung, dass das Vorsegel fast einfällt (flattert), nennt man das "kneifen".  Wie der Name andeutet, eine etwa schmerzhafte Erfahrung – Höhe kneifen bringt nichts . Jedenfalls nicht an Geschwindigkeit.

Die Kurse zum Wind: A = am Wind, H = Halbwind, R = Raumschots, V = Vor dem Wind oder Vorwind (Grafik © www.meer-sehen.de / Jo Achim Geschke)

Da steuert man lieber "voll und bei" – manche sagen auch: etwas tiefer. Heißt: Nicht so bemüht an den Wind gehen, etwa mehr weg vom Wind – abfallen heisst das. Bringt mehr Druck ins Segel und lässt einen schneller nach Luv kommen – denn das ist ja der Sinn der Am-Wind-Segelei. (Ist Ihnen mal aufgefallen, dass im Deutschen kaum noch Bindestriche gesetzt werden? Aber das ist eine andere Geschichte.)

 

Halbwind ist einfach zu merken – da kommt der Wind halb von der Seite und die Segel sind fast halb draußen geschotet. Sie erinnern sich: Schoten? Sind die Leinen, die die Segel einstellen, Groß-Schot oder Vor-Schot oder auch Klüver-Schot.

 

Raumschots oder raumes Segeln : Da kommt der Wind von schräg achtern und sie brauchen viel Raum, weil dieser Kurs die meiste Geschwindigkeit bringt. beim steuern muss Segler und Seglerin allerdings sehr aufpassen, dass es keine Halse gibt – aber das kriegen wir später.

 

 Raumschots und vor dem Wind werden als Vorsegel die meist bunten Spinnaker gefahren – diese bauchigen Dinger kennen Sie von vielen Fotos. Die gibt es von verschiedenen Couturiers mit verschieden dicken Bäuchen geschneidert.

 

 Für Halb und Raum-Kurse sind zurzeit die "Gennaker" – Vorsegel beliebt, das sind in etwa bauchige Focksegel.

Ganz große Vorsegel für leichten Wind, die bis hinter den Mast nach achtern reichen, heißen Genua. Genau – wie die Stadt Genua.

Wenn man im Zickzack gegen den Wind segelt, muss man ab und an die Richtung wechseln. Malen Sie mal oben auf ein Blatt Papier einen Punkt, und nun von unten eine Zickzack-Linie mit dem Ziel, zum Punkt zu kommen. Das ist am Wind segeln.

 

Luv und Lee

 

Wenn sie zu weit nach links segeln, kommen sie nicht zum Punkt, Segler sagen: Sie machen nicht genug Weg nach Luv. Luv ist in Richtung zum Wind.

Wenn sie zu weit von der Windrichtung weg steuern, kommen Sie zu weit nach Lee – das ist die Richtung vom Wind weg oder die Wind abgewandte Seite des Schiffes. Also immer nach Lee spucken – erst recht bei Würfelhusten.

 

Wenden und Halsen

 

An jedem Knickpunkt auf dem "Kreuzkurs" ist eine Wende angesagt:  Sie segeln schräg zum Wind – am Wind – und wollen mit dem Bug durch den Wind gehen, um den von der anderen Seite zu bekommen. Vorsegel auf der einen Seite, der noch Lee-Seite losmachen, nach dem Wenden auf der neuen Leeseite dicht holen, bis es stimmt. Das kriegen wir später, wann es stimmt.

 

Die Wende (Grafik © www.meer-sehen.de / Jo Achim Geschke)

Wenn es mit dem Wenden mal nicht geht, weil sie zu sehr Raum oder vor dem Wind segeln, müssen Sie halsen: Mit dem Heck durch den Wind gehen, heisst das offiziell.

Die Halse (Grafik © www.meer-sehen.de / Jo Achim Geschke)

Wenn der Wind also schräg von steuerbords achtern kommt, halsen sie und holen das Groß auf die andere Seite über. Das lernt man am besten in der Praxis, denn dann merken Sie auch, wie das Boot weiter drehen will und Sie mit Gegenruder dagegen an steuern müssen.

 

Nach der Halse liegen Sie – nein, nicht auf der faulen Haut, sondern auf dem andren Bug. Mit dem Wind nun von Backbord und den Segeln auf Steuerbord.

Halsen sind so die Manöver, bei denen der Skipper den dicken Hals kriegen kann : Das Groß muss ganz kontrolliert auf die andere Seite geführt werden, Vorsegel dito. Denn sonst kann das Boot ganz gewaltig andrehen und sich auf die Backe legen. Außerdem gibt es die so genannte Patent-Hals. Das ist ganz und gar nicht patent – denn dann schlägt das Groß unkontrolliert auf die andere Seite, manchmal holt es dabei auch dem Mast von den Füßen ....

 

So, nun schön lernen, und demnächst machen wir dann weiter. Und schauen Sie sich noch einmal die erste Folge an. Wiederholung ist die Mutter der Seemannschaft ....

 

Ihr

Jo Achim Geschke vom Seglermagazin.de 

 

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