Schule unter Segeln – „Johann Smidt“ Ankunft im Sandtorhafen
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Ankunft „Johann Smidt“ in Hamburg mit Flaggenparade. (Foto (C) Clipper DJS)
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Die Vorjahres-Teilnehmer der „High Seas High School“ (HSHS) der
Hermann-Lietz-Schule Spiekeroog breiteten Banner aus Bettlaken aus. Und
Silke Depke aus Wedemark bei Hannover malte noch ein Willkommensschild
für ihre Tochter Lotte, die sechseinhalb Monate mit dem Projekt „High
Seas High School“ um die halbe Welt gesegelt war. Die Eltern Depke
hatten den Weg von Tochter und Schiff über Internet oder Emails verfolgt
und mit gefiebert. Die moderne Technik, auch an Bord von „Johann Smidt“,
machte es möglich, die Route über Teneriffa, Barbados, Panama, Mexiko
und Kuba in den Süden zu verfolgen.
Selbst die letzten Meilen auf der Elbe von den Bahamas, Bermuda über die
Azoren in den Hamburger Sandtorhafen wurden verfolgt, bis die „Johann
Smidt“ tatsächlich zu sehen war. 25 Schüler und Schülerinnen hatten sich
auf den großen Bahnhof vorbereitet und waren in die Masten geklettert,
um aus fast 20 Metern Höhe dem Empfangskomitee zuzuwinken.
Es wäre schwer gewesen loszulassen, sagt Günter Depke. Erst beim
Abschied im vergangenen Jahr, wäre ihm richtig bewusst geworden, dass er
nun vorerst keinen Einfluss mehr auf die Geschicke seiner Tochter Lotte
hätte. Doch Sorgen hätten sich die Depkes um ihre Tochter und deren
Schulkameraden nie gemacht. Sie hätten den Kapitän gesehen und völliges
Vertrauen in die Betreuung und Begleitung an Bord gehabt.
Auch Familie Rudat hat den sechsmonatigen Törn verfolgt. Sie sind sogar
selber in der Karibik an Bord „Johann Smidt“ gesegelt, während die
Schüler in Costa Rica eine mehrwöchige Landexkursion machten. „Wir haben
uns so besser vorstellen können, wie Finns Alltag an Bord ist“,
berichten die beiden Hamburger. Weder sie noch ihr Sohn Finn waren zuvor
gesegelt.
Als das „segelnde Klassenzimmer“ festgemacht hatte und die Schüler ihre
seemännischen Aufgaben vorerst erfüllt hatten, stürmten sie auf ihre
Familien und Freunde zu. Überall im dichten Gedrängel wurden
Freudentränen vergossen und selbst die Mitglieder des Vereins CLIPPER
DJS e.V., die „Ihr Schiff“ begrüßten, wurden von der
Willkommens-Atmosphäre angesteckt. Wie in der Seefahrt üblich, wurde die
„Johann Smidt“ vom Schwesterschiff „Amphitrite“ und anderen Schiffen mit
drei langen Tönen des Nebelhorns begrüßt.
Die „Johann Smidt“ hat zum dritten Mal mit Schülern, ihren Lehrern und
der ehrenamtlichen CLIPPER-Stammcrew den Atlantik zweifach überquert und
etwa 22000 Seemeilen im Kielwasser gelassen. 35 ehrenamtliche Kapitäne,
Steuerleute, Köche und Maschinisten hatten sich während der
verschiedenen Etappen in ihrer Freizeit mit der Schiffsführung
abgewechselt. Ihr Engagement wurde von Projektleiterin Stefanie Jung
besonders hervorgehoben. „Unsere Ollen“, wie die Stammcrew liebevoll von
Schülern und Lehrern genannt wurden, hätten jedem von ihnen, den
„Spatzen“, etwas fürs Leben mitgegeben. Hartwig Henke, Organisator der
„High Seas High School“ war auch nach der 17. Rückkehr seiner Schüler
bewegt, wie nach seiner eigenen ersten großen Fahrt zur See und meinte:
Eine solche Reise hinterlässt keine Spuren in der See, aber jede Menge
in der Seele“.
Bei Lotte Depke haben vor allem die fremden Kulturen, die sie kennen
lernen durfte, Spuren hinterlassen. „Da geht man hinterher mit ganz
anderen Augen durch die Welt. Ich habe vieles besser verstehen können“,
berichtet die 17-Jährige. Natürlich hätte es gute und schlechte Zeiten
gegeben, aber die Guten würden überwiegen. Viele Gefühle wären schwer zu
beschreiben, stellte sie fest. Beispielsweise wären die
Atlantiküberquerungen so überwältigend gewesen, weit und breit kein Land
zu sehen, auf einem kleinen Schiff im Vergleich zu dem gewaltigen Nichts
rundherum. „Nein, Unsicherheit war nie dabei“, erzählt sie. Zu Hause
will sie als erstes ihr neues Zimmer ansehen. Sie freut sich auf einen
Einkauf im Supermarkt und die Gewissheit, jederzeit den Kühlschrank
plündern zu können, ohne auf begrenzte Vorräte Rücksicht nehmen zu
müssen. Nikolaus Kern, Vorsitzender des Vereins CLIPPER DJS e.V. zeigte
sich in seiner Begrüßungsrede an die Schüler, die er auf einem Teilstück
des Törns kennen gelernt hat, davon überzeugt, dass es eben diese
Erlebnisse seien, die die Schüler auf ihrem Lebensweg noch lange
begleiten werden.
Seine Tochter hätte sich nicht nur äußerlich verändert, stellte Günter
Depke fest. Schon nach der kurzen gemeinsamen Zeit an Land war sicher,
dass die vorher sehr emotionale Lotte gelassener geworden wäre,
entspannter und ausgeglichener.
Dasselbe sagt Finn Rudat ebenfalls über sich selber. Und nach dem großen
Moment der ersten Wiedersehens sagt auch Mutter Claudia Rudat: „Er ist
selbstständiger geworden, hat sich weiter entwickelt“. Dass er weiterhin
seinen Weg gehen wird, dessen ist sie sicher. Um seine schulische
Laufbahn hat sie sich nie gesorgt, dieser Grund für die Reise wäre auch
zweitrangig gewesen, erklärt sie. „Die Erfahrungen, die er dabei gemacht
hat – die kann ihm keiner mehr nehmen“, freut sie sich. Und Finn, der
immer wieder mit Seekrankheit zu tun hatte, würde jederzeit wieder
segeln gehen und meint: „Das gehört einfach dazu“.
„Wir sind wieder zu Hause, aber wir waren auch die letzten sechs Monate
zu Hause. Wir haben gelernt, dass zu Hause nicht nur dort ist, wo man
wohnt, sondern dort, wo man sich wohl fühlt“, stellte Jannik Löhnert im
Namen aller Schüler am Ende des offiziellen Begrüßungsteils fest.
„Johann Smidt“: Topsegelschoner, Baujahr 1974, gebaut in Amsterdam,
Niederlande, Länge über alles: 36 Meter, Breite 8 Meter, Segelfläche:
471 Quadratmeter, 36 feste Kojen
Der Verein CLIPPER DJS wurde 1973 als Deutsches Jugendwerk zur See e.V.
in Bremen als gemeinnütziger Verein gegründet. Jugendliche zwischen 15
und 26 Jahren, aber auch alle anderen Segelbegeisterten sollten die
Möglichkeit bekommen,
traditionelle Seemannschaft zu erlernen und erleben. Für einen
reibungslosen Ablauf der Törns sorgen erfahrene Kapitäne, Steuerleute,
Maschinisten und Köche, die in ihrer Freizeit oder ihrem Urlaub
ehrenamtlich die Schiffe führen. Sie vermitteln vor allem auch jedem,
der mitsegelt, was er über das Segeln, das Schiff und die Seefahrt
wissen muss, denn niemand braucht seemännische Vorkenntnisse, um an Bord
zu kommen.
Mit „Johann Smidt“ als segelndem Klassenzimmer der „High Seas High
School“ erfüllt das Stahlschiff die Ziele, die der Verein CLIPPER DJS
sich seit über 30 Jahren stzt: jungen Leuten die traditionelle
Seemannschaft und das Leben auf einem Segelschiff nahe zu bringen.
Nähere Informationen über „Johann Smidt“, CLIPPER DJS e.V. und die
CLIPPER-Karibik-Törns unter: www.clipper-djs.org


