Rolex Fastnet Race 2005: Berühmte Namen vor berühmtem Felsen

09. August 2005 - Es ist längst eine Legende, diese Regatta über die irische See um den berühmten Leuchtturm auf einem Felsen. Das Fastnet Race, alle zwei Jahre ausgetragen, hat auch in diesem Jahr wieder berühmte Skipper und Boote angezogen. Dabei sind die Cracks der Open60-Szene, vom Vendée Globe bekannt, wie Mike Golding auf "Ecover", Roland Jourdain auf "Sill et Véolia" oder Alex Thomson auf Hugo Boss. Allein acht Open60 sind dabei, aber auch, neben Teilnehmern des Sydney Hobart, zwei deutsche Yachten. Die größten Maxis können schon fast den Fastnet Felsen sehen, nachdem sie am Sonntag gestartet sind.

Hugo Boss beim Start zum Rolex Fastnet Race (Foto © Carlo Borlenghi / Rolex)

Die Open 60s Ecover mit Mike Golding, "Sill et Véolia" mit Roland Jourdain  und Proform mit Marc Thiercelin hatten am Montag Morgen ebenso wie Hugo Boss mit Alex Thomson Lands End passiert.

 

ICAP Maximus hält die Führung am Montag mit 10 Knoten Bootsgeschwindigkeit bei 6 Knoten Wind. Der Maxi war nur noch 65 Meilen vom Felsen entfernt. Allerdings bewegen sich alle Boote bei leichter Brise, und auch für die großen Maxis könnte die Umrundung des Felsens noch dauern.

Hinter dem Maxi  mit dem treffenden Namen liegt nur sieben Meilen zurück der australische Maxi Skandia Wild Thing, dahinter die Volvo Open 70 Movistar, einige Meilen weiter zurück  die Volvo Ocean 60 ABN Amro und zwei Open 60s, wobei "Pindar" sich vor "Sill et Véolia"  hält.

 

Am Start des Rolex Fastnet Race vor dem Royal Yacht Squadron kämpften viele favorisierte Boote mit dem launischen Wind im Solent. Beim Tidenwechsel stand das Feld von 285 Booten in sieben Klassen vor der schwierigen Entscheidung, ob es sich an der Festland- oder der Insel-Seite des Solent halten sollte.

Die zweifachen Olympiamedaillengewinner im Afterguard der britischen TP 52 „Patches“, Shirley Robertson und Ian Walker, kamen am Ende der Startlinie vor Cowes am besten los. Vom Start an beschleunigte Eamon Conneelys neue Yacht und ließ ihre Erzrivalin „Aera“ im Kielwasser zurück. Nick Lykiardopulos Team konnte nur noch hinterher gucken, als die „Patches“ und andere Yachten, wie die 100 Fuß lange „ICAP Maximus“, sie im Windschatten stehen ließen.

Auch „ICAP Maximus“' große Rivalin für den Sieg nach gesegelter Zeit, die gerade generalüberholte „Skandia Wild Thing“, erwischte keinen guten Start. Sie überquerte die lange Startlinie am Luvende auf der Festlandseite bei Calshot zwei Minuten zu spät. Ihre Teilnahme an der Regatta stand wenige Stunden vor dem Start ernsthaft in Frage, als ein Routinescheck am Rigg einen gravierenden Schaden an der Spitze des Mastes aufdeckte. Die Crew reparierte den Mast so gut wie es ging provisorisch mit Kohlefaser und Epoxy. Trotz „Skandias“ spätem Start fand Eigner Grant Wharington vor der Festlandküste bald guten Wind und holte zur „ICAP Maximus“ von Charles St. Clair Brown und Bill Buckley auf.

Andere, die sich weiter an der Inselseite des Solent hielten, wie die „Patches“ und die Maxi-Yacht „Leopard of London“, segelten sich zunehmend fest in dem unbeständigen Wind. Immer wieder machte ihnen zwar eine schwache Brise Hoffnung, aber am Ende erwies sich der Wind luvwärts doch als zuverlässiger.

Die spanische Volvo Open 70 „Movistar“ erwischte einen guten Windstrich entlang der Küste bei Lymington und beschleunigte auf bis zu 14 Knoten bei zehn Knoten halbem Wind. Als sich die Yachten am Westende des Solent Hurst Castle näherten, schloss sie immer weiter zur „ICAP Maximus“ auf. Auch die „Skandia Wild Thing“ rückte auf die führenden Yachten auf, bis ihr Gennaker riss und die Crew ohne ihn segeln musste, bis sie einen Ersatzsegel setzen konnte.

 

Was hätten die Segler dafür gegeben, die Situation aus der Vogelperspektive begutachten zu können. Denn bald wurde deutlich, dass vor dem Festland definitiv der bessere Wind herrschten. Diesen Vorteil nutzen Harry Heijsts holländische S&S 41 „Winsome“ und die französische J-105 „Night & Day“ unter Skipper Pascal Loison am besten. Sie hängten ihre Rivalen ab und passierten als erste Yachten die Needles.

286 Mannschaften, darunter Zweimanncrews, die ganz aus Australien herbeisegelten, und preisgekrönte Maxi-Teams, starten am heutigen Sonntag (7. August) in das Abenteuer Rolex Fastnet Race 2005. Die 608 Seemeilen lange Hochseeregatta führt vom südenglischen Cowes durch die Irische See um den berüchtigten Fastnet Rock südlich Irlands herum zurück nach Plymouth in der südwestenglischen Grafschaft Devon und dauert je nach Schiffsgröße meist drei bis sechs Tage.

Auch zwei Hochseeyachten unter deutscher Flagge sind bei dem Regattaklassiker am Start. Es ist der Maxiracer „UCA“ von Klaus Murmann aus Kiel in der Klasse SZ und die Luffe 48 „Haze“ des Frankfurter Rechtsanwalts Jochen Winter in der Klasse Z.

Die 26,50 Meter lange „UCA“, 2003 schnellste Yacht bei der DaimlerChrysler North Atlantic Challenge von Newport nach Cuxhaven und Halterin mehrerer Regattarekorde hat sich für die 608 Seemeilen (1126 km) noch namhaft verstärkt. „Gegen die großen Maxis werden wir wohl nicht um die Ehre des ‚First Ship Home' mitkämpfen können. Aber nach berechneter Zeit könnten wir vorne dabei sein, wenn unsere Strategie aufgeht“, meinte Eigner Murmann. Aus dem United Internet Team Germany, dem deutschen America's Cup-Syndikat, kehrt der Hamburger Nico Jeschonnek in seine alte Crew zurück. Der Schiffsmakler hat bis 2007 beim Amercia's Cup angeheuert und bis Sonnabendmittag noch auf der Kieler Bucht auf dem deutschen Cupper trainiert. Er freut sich aber auf einen letzten „UCA“-Auftritt bei der Langstrecke: „Das wird sicher wieder tierisch anstrengend, aber Fastnet ist immer ein besonderes Erlebnis.“ Jeschonnek folgten der Silbermedaillengewinner aus der Solingcrew von Jochen Schümann, Gunnar Bahr (Berlin), Tim Daase aus Wewelsfleth und dem Lübecker Timo Jakobs. Auf das Vorschiff kehrt der Kieler Gunnar Knierim zurück.

(Texte: Jo Achim Geschke/ Seglermagazin.de – Regattanews.com)

Die website des Fastnet Race:

www.rorc.org

 Seite drucken  |   Seite versenden