Auf ein Neues: Volvo Ocean Race 200528. Oktober 2004 - Auckland/Kiel - Das nächste Volvo Ocean Race wird in den Jahren 2005 und 2006 auf größeren, noch schnelleren Einrumpf-Booten mit 70 Fuß Länge (21,34 Meter) und einer geänderten Route mit weniger Etappenhäfen rund um den Globus führen. Auch der Wertungsmodus ist neu: Punkte gibt es künftig nicht nur an den Etappenzielen, sondern auch auf Zwischenstationen und bei Kurzwettfahrten während der Hafenaufenthalte. Damit soll die härteste Hochseesegelregatta der Welt sowohl für die Fans als auch für die Teilnehmer noch attraktiver und spannender werden. Das gab Volvo als Regattaveranstalter heute in Auckland und parallel auch in Kiel bekannt.

Die schwedische Assa Abloy, zweite im VOR 2002 - (Foto copyright Thierry Marinez / VOR)

"Das Volvo Ocean Race ist der Weltcup des Segelsports. Wäre es nicht großartig, ihn 2006 im selben Land zu entscheiden, in dem dann auch die Fußballweltmeisterschaft stattfindet?", sagt der neue VOR-Chef Glenn Bourke. "Beim vorigen Rennen hat Deutschland uns ein wundervolles Finale bereitet, als mehr als 500.000 Menschen nach Kiel kamen, um die Segler zu begrüßen," so Bourke weiter, "das wünschen wir uns fürs nächste Rennen wieder so." Das Volvo Ocean Race 2001-2002 hatte die Leverkusener Yacht "illbruck" unter Skipper John Kostecki (USA) als erste deutsche Teilnehmerin überhaupt mit einem grandiosen Zieleinlauf am 9. Juni in die Kieler Förde gewonnen.

 

Noch steht der endgültige Kurs, der wieder der traditionellen Klipperroute mit dem Westwindgürtel über rund 32.000 Seemeilen um die Welt folgt, nicht fest, doch sicher ist ein Start im Mittelmeer statt in Southampton/England, das auf der Rücktour Ziel der Transatlantiketappe statt La Rochelle/Frankreich wird. Von daher könnte diesmal der Starthafen in Frankreich liegen, doch noch sind eine ganze Reihe von klassischen Hafenmetropolen zwischen Barcelona/Spanien und Genua/Italien im Gespräch.

 

Auch soll der Start erst Anfang November erfolgen, um später im Südpolarmeer die optimalen Bedingungen anzutreffen. Dadurch wird die Gesamtdauer der Regatta auf unter acht Monate verkürzt. "Das ist auch ein Beitrag zur generellen Kostenreduzierung", erklärt Glenn Bourke, der die Teilnahme für Syndikate und deren Sponsoren erschwinglicher machen will.

 

Die erste Etappe führt wieder über den Atlantik nach Kapstadt in Südafrika. Es bleibt auch bei der obligatorischen Bahnmarke Fernando de Noronha, einer Insel vor der Nordost-Ecke Brasiliens. Allerdings erfolgt hier nun eine erste Zwischenwertung, bei der die Yachten quasi wie bei einer Bergwertung im Radsport erste, halbe Punkte sammeln. Der Erste eines Zwölferfelds bekäme dort sechs Punkte, der Zweite 5,5 und so weiter. Im Ziel gibt es die volle Punktezahl (z.B. 12, 11, usw.); ein Streichresultat der schlechtesten Platzierung ist nicht geplant.

 

Um die Spannung während der sechs Etappenstopps zu erhalten, sind dort jeweils Kurzwettfahrten mit halber Punktzahl geplant, bei denen entsprechend 20 Prozent der Gesamtpunktzahl vergeben werden. Die küstennahen Regatten sollen für zusätzliche Spannung sorgen, in dem sie das Publikum zum ersten Mal die spektakulären Rennboote mit ihren Weltklasseteams hautnah in Aktion erleben lassen. So werden die Zuschauer noch viel enger eingebunden als bisher.

 

Die zweite Etappe wird wieder durch das Südpolarmeer (Southern Ocean) führen, wo schwere Stürme und eisige Kälte die härtesten Bedingungen, aber auch die außergewöhnlichsten Bilder der Regatta bringen. Nach Zwischenwertungen bei den Kerguelen Inseln und Eclipse Island, der Insel unter der Südwest-Ecke Australiens, ist das Ziel noch nicht bestimmt. "Das klären wir nach dem Ausgang des America's Cups in Auckland", so der VOR-Chef. Es soll allerdings nur einen Etappenhafen in Ozeanien geben, wahrscheinlich mit einem zusätzlichen Kurz-Stopp auf der dritten Etappe, der ebenfalls als Zwischenwertung mit halber Punktzahl zählt. Ein solcher Pit Stop war 2001 erstmals beim Sydney Hobart Race eingelegt worden und hatte sich bewährt.

 

Von Australasien geht es mit Zwischenwertung rund um das Kap Hoorn wieder nach Rio de Janeiro/Brasilien. Von dort ist Fernando de Noronha erneut gewertete Bahnmarke, doch die Route führt an Florida vorbei direkt nach Baltimore im US-Bundesstaat Maryland. Nach dem Re-Start in Annapolis nahe Baltimore ist der zweite Kurz-Stopp der Regatta in New York geplant. Von dort gehen die Yachten auf die Rekordstrecke von 1905, als der 56-Meter-Schoner "Atlantic" im Great Ocean Race von Sandy Hook bei New York nach Lizard am Südwest-Zipfel Englands den Atlantik in 12 Tagen, 4 Stunden, einer Minute und 19 Sekunden überquerte. Der Rekord hat bis heute offiziell Bestand.

 

Vom Etappenziel in Southampton, wo die Teilnehmer sich im strömungsreichen Solent messen müssen, geht der Kurs nach Norden Richtung Göteborg, dem Sitz der Konzernzentrale von Volvo, bevor das große Finale in der Ostsee ansteht. Dazu der Münchner Tony Kolb, damals Vorschiffsmann an Bord der siegreichen "illbruck": "Dieses phänomenale Bild der vielen tausend jubelnden Fans auf den Schären in Schweden und am Ufer der Kieler Förde werde ich niemals vergessen. Dieses Finish war nicht zu überbieten."

 

 

Die Yachten

Das Volvo Ocean Race 2005-2006 wird auf nagelneuen 70-Fuß-Einrumpf-Rennmaschinen gesegelt werden. Das offene Design erlaubt einen Schwenkkiel, wahlweise ein oder zwei zusätzliche Schwerter und ein oder zwei Ruder. Das neue Boot dürfte dadurch äußerst schnell und aufregend zu segeln sein. Die Regelvorschrift ist relativ offen und damit eine Herausforderung für die Designer.

 

Der neue Volvo Ocean 70 (V.O.70) wird einfacher zu bedienen sein, weniger Segel mitführen und bessere Bedingungen für die Crew bieten. "Bei vorigen Rennen haben wir oft anderthalb Tonnen Ausrüstung, vor allem Segelsäcke, mehrmals in der Nacht von einer auf die andere Seite wuchten müssen", berichtet Tony Kolb, "- und das als Freiwache." Das wird sich nun ändern. Durch die neuen Regeln des Rennens sollen vor allem nicht das dickste Portemonnaie, sondern Ideen, Kreativität und seglerisches Können die größten Vorteile bringen. Glenn Bourke bringt die Herausforderung auf den Punkt: "Es geht darum, das allerbeste Allround-Hochseeteam der Welt zu finden."

 

Die Boote werden baugleiche Elemente aufweisen: den Schwenkkiel und die Kielbombe sowie einen standardisierten Kohlefasermast. Außerdem wird die Zahl der Segel von vorher insgesamt 38 auf nur noch 20 deutlich reduziert. Rund neun Segel sollen pro Etappe mitgeführt werden dürfen. Der Hintergrund: Die Organisatoren wollen die Kosten in allen Bereichen begrenzen, bei denen in der Vergangenheit große Ausgaben nur minimale Unterschiede verursacht haben.

 

Im Hinblick auf den Stellenwert einer anspruchsvollen Medienberichterstattung werden die neuen Rennboote mit einem speziellen Mediencenter an Bord ausgestattet sein, das von den Navigationsinstrumenten komplett abgekoppelt ist. Modernste Minikameras werden noch spektakulärere Bilder von jedem Boot verfügbar machen. Besonders die An-Bord-Bilder waren es, die das vergangene Rennen so spannend und hautnah erlebbar gemacht hatten.

 

Die Crewgröße wird insgesamt reduziert, wodurch weitere Kosten gespart werden. Zudem fördert sie durch ihre Differenzierung die Teilnahme von Frauen. Ein rein männliches Team darf bis zu neun, ein gemischtes mit mindestens fünf Frauen bis zu zehn und eine reine Frauenmannschaft sogar bis zu elf Crewmitglieder umfassen.

 

 

Kurzregatten

Bei den Hafenregatten ist ein weiteres Crewmitglied erlaubt. Das könnte zum Beispiel der Teammanager, ein bekannter Segler, ein Spezialist für Kurzwettfahrten oder ein ortskundiger Experte sein. Zusätzlich können drei weitere, nichtteilnehmende Gäste pro Boot mitsegeln, darunter der Inhaber oder ein Vertreter des Syndikats, ein Medienvertreter und ein Repräsentant von Volvo.

 

Die Kurzregatten in den oder nahe der jeweiligen Häfen werden nicht nur dem Publikum einen besseren Zugang zu der Veranstaltung verschaffen, sondern auch die Möglichkeiten der Berichterstattung nochmals deutlich verbessern - ein großer Nutzen für Syndikate und Sponsoren. Zudem erfordern die Kurzregatten auf engstem Raum von den Crews eine größere Vielfalt seglerischer Fähigkeiten als nur auf den langen Hochsee-Etappen.

 

Während des Rennens darf es von Land aus keine spezielle Unterstützung durch Meteorologen geben. Ziel des Volvo Ocean Race ist es, die Fähigkeiten der Segler herauszufordern und nicht die der Shore-Teams. Von der bestens ausgestatteten Regattaleitung in der Zentrale in England wird die Flotte täglich und in regelmäßigen Abständen einen Wetterdienst erhalten.

 

"Dieses neue Volvo Ocean Race wird in Seglerkreisen weltweit auf großes Interesse stoßen. Jetzt müssen wir, die schon mal dabei waren, und andere, die mitmachen wollen, losgehen und das nötige Geld beschaffen. Wir haben nun das richtige Werkzeug und die richtige Veranstaltung, um Sponsoren zu finden, und an den Start gehen zu können", begrüßt Grant Dalton, Volvo Ocean Race-Veteran und früherer Gewinner, die neuen Pläne.

 

Volvo als Veranstaltungsinhaber und Sponsor hat sich der grundsätzlichen Förderung des Segelsports verschrieben, die nicht nur die Ausrichtung und Weiterentwicklung des Volvo Ocean Race umfasst, sondern auch ein dynamisches Volvo Jugendsegelprogramm. Sein Engagement im internationalen Segelsport unterstreicht Volvo nicht zuletzt mit der Ankündigung eines neuen Hochseerennens für 2007: Das Volvo Pacific Ocean Race wird mit den neuen Volvo 70ern gesegelt werden und in asiatische Häfen unter anderem in China und Japan führen, und von dort über den Pazifik nach San Francisco und San Diego in den USA.


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