America's Cup: Der Cup in Europa

03. März 2003 - "Es ist wunderbar – der Cup ist jetzt Schweizer." schreibt Crewmitglied Christian Kärcher von Alinghi SUI 64 auf deren website. "Zweieinhalb Jahre harte Arbeit sind vorbei für 120 Menschen." Und diese Arbeit war erfolgreich: Mit der Schweizer Alinghi SUI 64 hat zum erstenmal ein Team den Cup im ersten Anlauf gewonnen, zum ersten Mal eine Yacht aus einem Binnenland, ein Land ohne Küste, und – nach 152 Jahren erstmals ein europäisches Team. Warum eigentlich?

Da geht das Messer auf! Die website von Alinghi SUI nach dem Sieg im 31. America's Cup! (screenshot von www.alinghi.com)

"Es waren weniger Leute als 2000", sagte Taktiker Brad Butterworth nach dem Einlaufen in den Viaduct Harbour in Auckland: Es waren nur einige tausend gekommen – die Schweizer läuteten begeistert ihre (schwarzen) Kuhglocken, die Neuseeländer hielten sich sehr zurück. Bei der dritten Verteidigung des Cups haben sie ihn in einem Debakel von 0:5 verloren.

 

Der America's Cup hat sich seit 2000, als Dean Barker für NZL im letzten Rennen den Cup mit dem 5:0 gegen Prada gewann, erheblich geändert. Nicht wegen der enorm gestiegenen Etats. Im Versuch, das beste Syndicat zu bilden, wurden die Natonalitäten egal: Schon 2000, kurz nach dem Cupgewinn von NZL, heuerte Bertarelli Russell Coutts, Brad Butterworth und vier weitere wichtige Mitglieder des Neuseeländischen Teams an. Das Team Alinghi SUI 64 bestand schließlich aus 15 Nationen. Unter ihnen in einer Schlüsselpositon Jochen Schümann, der gebürtige Berliner, der erste Deutsche, der mit einem Team den Cup gewann.

 

 

Teamwork und Vorbereitung

 

Was den Erfolg des Schweizer Teams ausmacht, konnte man bei den Cup-Rennen sehen: Coutts und Taktiker Butterworth bilden ein eingespieltes, erfahrenes Duo, wenn Butterworth sagt, wenden, dann dreht Coutts das Rohr. Und muss nicht mehr viel sagen. Auf dem Boot wurde bei Wenden sehr wenig gesprochen! Die Crew war derart eingespielt, dass bei Butterworth Hinweis und Coutts kurzer Ankündigung des "Tacking" alle auf ihre Plätze ging.

 

Ernesto Bertarelli, der als einer der wenigen geldgebenden Milliardäre auch seine Aufgabe an Bord erfüllen konnte als Navigator, drückte es in der Pressekonferenz nach dem Cup-Gewinn so aus:

 

 

 

Coutts Bertarelli Kanne

 

Russell Coutts und Ernesto Bertarelli feiern die "Kanne", den gewinn des Cups mit Alinghi SUI 64 (Foto Ivor Wilkens / amricascup.yahoo.com)

"Ich habe nie davon geträumt, dass wir den Cup gewinnen. Ich wollte einfach ein gutes Team zusammenstellen, ein Team, auf das wir stolz sein könnten, und in der Lage, den America's Cup zu gewinnen. Aber ich dachte nie, dass wir soweit kommen wie jetzt. ...... Der Sieg, den wir gerade errungen haben, ist der Sieg einer Menge Leute. Es ist wirklich das komplette Alinghi -Team, es war ein unglaubliches Programm. Ich danke jedem, jeder bei Alinghi hat Teil an diesem Sieg. Ich glaube, das einzige,was wir richtig gemacht haben war, das wir den Leuten im Team erlaubt haben, sich selbst auszudrücken, sich einzubringen, wie haben ihnen den Raum gegeben, den sie brauchten, und sie alle haben hart gearbeitet für das gleiche Ziel. Deshalb vielen Dank ..."

 

Das Teamwork funktionierte offensichtlich auch bei der Vorbereitung: Die schweizer Land-Crew ging bei der Kontrolle und der Vorbereitung von Rigg, Segeln und Boot offensichtlich mit dem Staubkamm durch das Boot. Keine Macke wurde übersehen, alles lief wie ein Uhrwerk. In den entscheidenden Matches sowohl im Louis Vuitton Cup wie im Cuprennen selbst ging nichts schief, nichts brach. Und ein eingespieltes, erfahrenes Team machte auch bei der Wetterprognose und – beim Segeln keine Fehler!

Die Neuseeländer sind vor dem Cup-Rennen wesentlich weniger gesegelt als die Schweizer, die schließlich 32 Matches im Louis Vuitton Cup segelten und 27 gewannen. Und die außerdem schon im März 2002 auf dem Hauraki Golf trainierten – im neuseeländischen Herbst und Winter! Und das bis zu zehn Stunden am Tag. Daher hatten die Neuseeländer nicht so viele Möglichkeiten, Fehler in der Konstruktion zu entdecken. Das innovative Design, das experimentelle, das ihnen nachgesagt wurde, hat nicht gepunktet: Baumbruch an einer schwachen Stelle, Wasser im Schiff und eine Plastikfolie schließlich, um bei starker Krängung das Wasser aus dem Boot zu halten ... und schließlich der Mastbruch. Dazu die psychologische Belastung, nach den ersten Misserfolgen gegen die starken "Schwyzer" noch zu punkten.

 

Die ersten Teams sind wieder dabei

Team NZL Chef Tom Schnackenberg erklärte bereits, dass NZL beim nächsten Cup wieder dabei sein werde. (Wenn das Geld zusammenkommt.) Nur Minuten nach dem Zieldurchgang erhielt Commodore Pierre-Yves Firmenich vom Genfer Club von Alinghi, der Société Nautique de Genève (SNG), die erste Herausforderung für den nächsten Cup: Vom Golden Gate Yacht Club (GGYC) aus San Francisco, dem Club, der Larry Ellison's ORACLE BMW Racing beherbergt ! Damit ist OracleBMW der "Challenger of Record", der über alle Regeln – und Regeländerungen! - mit dem Gewinner des Cups verhandelt. Bertarelli und Ellison hatten bereits verlauten lassen, dass sie den 32. Americas-Cup unter anderen Bedingungen aussegeln wollen. Und wo – das will das Alinghi SUI -Team am Dienstag bekannt geben! Die italienische Prada allerdings wird wie berichtet nicht mehr dabei sein.

 

Der Cup in Europa

Experten rechnen nur mit sechs Teams, die zu den Antipoden fahren würden. Beim Cup in Europa, etwa am Mittelmeer, erreicht er die Millionen-Population in Europa, und dann sollen bis zu 16 Teams zur Herausforderung kommen, weil sich mehr (europäische) Sponsoren finden werden. Und schließlich haben schon seit Jahrzehnten Segler beklagt, dass der Cup nach antiquierten Regeln ausgetragen werde ....

 

Neues Cup-Format

Ernesto Bertarelli (Chef von Alinghi SUI 64 und einer Schweizer Bio-Tech-Firma) und seine Manager haben bereits neue Regeln für den Cup vorbereitet. In einem brisanten Artikel schrieb die angesehene amerikanische "Washington Post" ( www.washingtonpost.com ) bereits über Einzelheiten. So sollen die Segler nicht mehr aus einem Land kommen bzw. nicht mehr dort leben / wohnen müssen wie jetzt. Bertarelli, der von Software-Milliardär Larry Ellison unterstützt wird, dem Chef von Oracle BMW, will den Cup von jetzt 4 ½ Monaten auf zwei oder drei verkürzen. Zudem sollen Herausforderer-Regatten und der Cup unter der selben Schirmherrschaft stehen und die selben Oberschiedsrichter haben – und den selben Haupt-Sponsor. Alles werde vom Verteidiger kontrolliert werden können. Alinghi SUI 64 muss für diese Änderungen aber Partner haben, die einer Änderung der festgeschriebenen "Deed of Gift" zustimmen. Gerüchteweise sollen die Vorschläge bereits bei anderen Teams kursieren ... Der erste Herausforderer, der sich mit den neuen Regeln einverstanden erklärte, wäre wohl OracleBMW USA aus San Fransiscos Golden Gate Yacht Club mit Ellison. Die beiden Milliardäre sollen sich gut leiden können. Bertarelli will übrigens den nächsten Cup 2007 aussegeln – damit er sich nicht überschneidet mit der Fussball-Weltmeisterschaft 2006 !

 

Was ist mit dem deutschen Cupper?

Noch immer sind Illbruck, Kostecki und Co bereit für eine Cup-Kampagne mit dem zu 95 Prozent fertig gestellten Cupper von Illbruck aus dem vorigen Jahr bei Pinta Racing. Und es könnte sich bei einem America's Cup vor europäischer Küste sicherlich ein Sponsor finden, der auch einen nicht-Norddeutschen unterstützt. Schließlich kommt viel High-Tech-Material und Know How für die Cupper aus Deutschland – denkt man nur mal an den Designer von Alinghi SUI 64, den in Hamburg lebenden Rolf Vrolijk ... Und die deutsche Sofware-Firma SAP hat Neuseeland mitgesponsort, BMW war bei OracleBMW USA 76 eingestiegen ....

 

Der Cup in Portugal?

Noch immer ist das portugiesische Cascais als Austragungsort im Gespräch – denn Bertarelli will den Cup nicht in einem Land aussegeln lassen, das ein Herausforderer-Team stellt. Macht ja Sinn. Und Monaco hat bereits abgesagt: Das Fürstentum sei einfach nicht groß genug für solch einen Riesen-Event.

Das nächste Rennen startet 2006 oder 2007.

America's Cup 2003:

Alinghi SUI 64 versus NZL 82: Alinghi SUI 64 gewinnt 5:0

Lesen Sie dazu auch:

America's Cup aktuell im Seglermagazin.de

Alinghi SUI 64 holt die Kanne!

Mastbruch

Neues Format für den Cup?

Interview mit Jochen Schümann, Alinghi SUI, zum Finale

Drama bei NZL 82 (das erste Race)</>

Das Alinghi SUI 64-Team

"Kampf um die Kanne beginnt" – mit Erklärung der Renn-Regeln

 Seite drucken  |   Seite versenden