America's Cup: Alinghi holt die Kanne!

02. März 2003 - Russel Coutts kann die Kanne zum dritten Mal hintereinander über den Kopf heben: Alinghi SUI 64 holte heute mit einem 5:0 Sieg den Cup – und bringt ihn damit zum ersten Mal seit seinem Entstehen, nach 152 Jahren, nach Europa! Nach einem Rennen, das die schweizer Crew mit Russel Coutts am Rohr, Brad Butterworth als Taktiker und Jochen Schümann als Sportdirektor unangefochten nach Hause fuhr, siegte Alinghi SUI 64 mit 5:0 über Team NZL 82 – auf den Tag genau drei Jahre, nachdem NZL den Cup mit Coutts und Barker am Steuer zum zweiten Mal gewonnen hatte.

Von links: Ernesto Bertarelli und Jochen Schümann am Steuer auf Alinghi SUI 64 (Foto Franck Socha/ Louis Vuitton/ amricascup.yahoo.com)

Knapp 200 Meter vor dem Ziel griff Geldgeber und Navigator Ernesto Bertarelli mit Jochen Schümann noch einmal in die Kurbeln der Grinder – und dann kam das Lachen, der Handschlag mit Schümann und der Jubel: Mit 45 Sekunden Vorsprung ging die schweizer Yacht ungeschlagen über die Ziellinie. Kein Bruch, kein Ausfall, keine Fehler .... Das erste Rennen hatte NZL 82 mit Bruch und Wassereinbruch aufgegeben, das zweite Match gewann Alinghi SUI 64 mit 23 Sekunden Vorsprung, das Dritte mit 7 Sekunden, im vierten brach der Mast von NZL 82 ....

 

Die beiden Teams gingen in der Vorstartphase gar nicht erst ins enge Gedränge, beide segelten tief ins Startfeld. Alinghi SUI 64 kam auf die Sekunde über die Linie, und nahm die rechte Seite des Kurses. Die war durch Winddreher bei dem 12 bis 15 Knoten Wind begünstigt.

 

Dann zeigte sich, das Alinghi SUI 64 in Luv einen Tick höher segeln konnte als NZL 82 . Alnghi gewann schnell 43 Meter Vorsprung – und das bei Wind, der angeblich der beste für das Team NZL 82 sein sollte mit rund 15 Knoten. Die Neuseeländer segelten allerdings mit einem neuen Mast von NZL 81, dem Ersatzboot. Taktiker Betrand Pacé, nach Rennen 3 ins Boot geholt, griff an, 1. Wende, 2. Wende, 3. Wende : Alinghi SUI 64 wendet immer mit, legt sich immer nach Match-Race-Regel zwischen das Ziel und den Gegner, immer in Luv – und kann den Vorsprung bis zur ersten Tonnen auf 80 Meter, fast drei Längen, ausbauen. NZL 82 geht 21 Sekunden nach Alinghi SUI 64 um die erste Luv-Tonne. Die setzen übrigens den Spinnaker in zehn Sekunden ...

 

Auf dem folgenden Vorwind-Gang kann Dean Barker (29) den Vorsprung nicht reduzieren. Alinghi SUI 64 zieht unter symetrischem Spi, der sich ohne einzufallen halsen lässt, auf mehr als 100 Meter davon. NZL 82 hat den asymetrischen Spi gesetzt, der beim Halsen einfällt und so Sekunden lang nicht zieht.

 

Spi-Baum gebrochen

Nach der Lee-Tonne, die Alinghi SUI 64 mit 18 Sekunden Vorsprung rundet, gehen die Skipper und Taktiker in ein Wendeduell, nach fünf Wenden liegt Alinghi SUI 64 noch 57 Meter vorn, mehr als zwei Längen – und in Luv. Die zweite Luv-Tonne geht Alinghi SUI 64 mit 95 Meter Vorsprung an, der Spi geht hoch. Und dann - bricht bei Team NZL 82 der Spi-Baum. Ein leichtes Teil, laut (gutem Fernsehkommentator) Tim Kröger, Crew vom französischen "Le Défi", wiegt der dreieckige Baum bei 8,50 Meter Länge nur 6 bis 7 Kilo! Die Neuseeländer werfen ihn einfach ins Wasser.(Er wird, da das Kohlefaser-Waben-Teil schwimmt, wohl von einem Boot aufgenommen. ) Der Spi bei NZL 82 steht nicht mehr richtig – Alinghi SUI 64 geht mit 135 Meter Vorsprung, mit 31 Sekunden, um die nächste Lee-Tonne.

Dean Barker, der auf dem letzten Vorwindgang den zweiten Spibaum nutzen kann, der unter Deck gestaut war, kommt nicht mehr richtig an Alinghi heran: Als Alinghi SUI 64 noch 240 Meter bis zum Ziel hat, liegen die Schweizer 240 Meter vorn ! Und gehen mit 45 Sekunden Vorsprung über die Linie.

Auf dem letzten Vorwind-Gang steht den Neuseeländern der Frust auf den Gesichtern geschrieben. Der junge Dean Barker, sicherlich einer der besten Steuerleute der Welt, hatte mit einem Boot zu kämpfen, das zu viele Macken hatte. Und offensichtlich wurde bei NZL 82 zu viel auf innovatives Design geschielt, als auf Speed. Zudem waren die beiden Boote von Alinghi , SUI 64 und 62, schon im März 2002 auf dem Haurakli-Golf, um zu trainieren – 10 Stunden täglich. Bei den 32 Rennen der Herausforderer im Louis Vuitton Cup konnten sie nicht nur mehr Erfahrung sammeln, sie konnten auch ihr Boot auf unterschiedliche Bedingungen einstellen. Die Neuseeländer sind wesentlich weniger gesegelt!

Breites Grinsen

Russell Coutts

Russel Coutts, Skipper bei Alinghi SUI 64 , gerade 41 Jahre alt geworden, hat zum dritten Mal in Folge den Americas-Cup gewonnen und sein 14. Rennen in einem Cup. (Foto Bob Grieser/ Louis Vuitton)

Sie liegen vorn, haben noch 240 Meter – und Bertarelli lächelt, während Brad Butterworth breit grinst. Noch allerdings konzentrieren Sie sich auf das Match. Aber 100 Meter vor dem Ziel geht's dann doch los: Scherze, Lachen, Geldgeber und Segler Bertarelli, der Multi-Milliardär, der sich als Navigator ins Team einfügte und mit trainierte, kurbelt mit Schümann das Groß etwas dichter. Und dann – der erste Handschlag mit dem ersten Deutschen, der auf einem Cupper die begehrte, teuerste Trophäe der Segel-Welt gewinnt! Schümann hat zu den drei Gold- und einer Silbermedaille jetzt auch noch den Cup! Bertarelli lacht endlich, umarmt Butterworth, und Coutts, der endlich auch mal lacht. Und der sympathische Schweizer Bio-tech-Unternehmer tanzt, umarmt seine Crew, die jetzt lacht und umherspringt.

Champagnerduschen von Schümann für die Crew nach dem Ziel, Jubel. Und Rolf Vrolijk, der wichtigste Designer des Alinghi -Cuppers, kommt an Bord!

Der nächste Herausforderer ist da!

Nur Minuten nach dem Zieldurchgang erhielt Commodore Pierre-Yves Firmenich vom Genfer Club von Alinghi, der Société Nautique de

Genève (SNG), die erste Herausforderung für den nächsten Cup: Vom Golden Gate Yacht Club (GGYC) aus San Francisco, der Club, der Larry Ellison's ORACLE BMW Racing beherbergt ! Damit ist OracleBMW der "Challenger of Record", der über alle Regeln – und Regeländerungen mit dem Gewinner des Cups verhandelt. Bertarelli und Ellison hatten bereits verlauten lassen, dass sie den 32. Americas-Cup unter anderen Bedingungen aussegeln wollen. Und wo – das will das Alinghi SUI -Team am Dienstag bekannt geben!

Lesen Sie morgen Analysen und Kommentare des Seglermagazin.de über den Cup – und den Cup in Europa! Das nächste Rennen startet 2006.

America's Cup 2003:

Race 5:

Alinghi SUI 64 versus NZL 82: Alinghi SUI 64 mit 45 Sek. Vorsprung

Punktestand:

Alinghi SUI 64: 5 Punkte

Team NZL 82 : 0 Punkte

Lesen Sie dazu auch:

America's Cup aktuell im Seglermagazin.de

Mastbruch

Neues Format für den Cup?

Fortsetzung folgt über das erste aufgeschobene vierte Rennen mit Hintergrundbericht

Der AC im TV – der nächste Cup in Portugal ?

Interview mit Jochen Schümann, Alinghi SUI, zum Finale

Drama bei NZL 82 (das erste Race)</>

"Kampf um die Kanne beginnt" – mit Erklärung der Renn-Regeln

Website des Americas Cup 2003:

 Seite drucken  |   Seite versenden